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Altes Schloss Schleißheim

Baugeschichte

Bild: Altes Schloss Schleißheim

 

 

Herzog Wilhelm V. (reg. 1579-98) hatte in der von ihm erworbenen Schwaige Schleißheim 1598 ein schlichtes Herrenhaus errichten lassen, den sogenannten "Wilhelmsbau". Es bildete das Zentrum einer regelmäßigen Anlage, die sich nach und nach um mehrere unterschiedlich große Höfe entwickelte und erst unter seinem Sohn, Maximilian I., fertiggestellt wurde. Aus der ersten Bauzeit blieb bis heute der zentrale Tor- und Uhrenturm erhalten, dessen größere Schlagglocke 1602 datiert ist.

Maximilian, 1616 in den Besitz des Architekturtraktats des Vincenzo Scamozzi gelangt, in dem dieser wichtigste Schüler und Mitarbeiter des Andrea Palladio seine Ideen zum italienischen Villenbau publizierte, begann sofort mit den Vorbereitungen zur Erneuerung des Schleißheimer Herrenhauses. 1617 wurde das noch keine 20 Jahre alte Gebäude bis auf die Kellermauern abgebrochen und der Neubau in äußerst kurzer Zeit errichtet. Der Architekt des Neubaus ist schwer zu bestimmen; möglicherweise war es Hans Krumper in Zusammenarbeit mit dem Baumeister Heinrich Schön, und ganz gewiss redete der Bauherr Maximilian entscheidend mit. An der dekorativen Gestaltung der Schleißheimer Schlossräume mit Stuck und Fresken war der aus den Niederlanden stammende Peter Candid wesentlich beteiligt. Letzte Arbeiten dürften 1623 beendet gewesen sein.

Bild: Das Alte Schloss, Stich von 1687

Das Alte Schloss, Stich aus Anton Wilhelm Ertls "Kurbayerischem Atlas", 1687

 

 

Im Zweiten Weltkrieg wurden bei Luftangriffen fast das gesamte Dach und etliche Räume des Schlossgebäudes total vernichtet; erst 1970 konnte mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Heute sind große Teile des Mauerwerks oberhalb der zumeist aus der Bauzeit erhaltenen Kellergewölbe völlig erneuert, die westliche Vorhalle und die angrenzende Saalwand sind hingegen einschließlich ihres Dekors original erhalten. Im Wesentlichen erhalten ist auch die Stuckausstattung der ehemaligen Wilhelmskapelle.

Der Wiederaufbau führte bis 1986 zu einem neuen Nutzungskonzept für den Schlossbau. Zusammen mit den äußerlich in historischer Form wiederhergestellten Nordosttrakten nimmt er in den Räumen des Nordflügels und im Untergeschoss ein Museum neuerer religiöser Volkskunst aus aller Welt (Sammlung Gertrud Weinhold) auf.

 

 

Bild: Altes Schloss, Kamin und Tür im Südflügel

Altes Schloss, Kamin und Tür im Südflügel

Hierzu wurde eine neue Innenaufteilung geschaffen. Der Mittelsaal mit seiner erhaltenen Westwand wurde präzise rekonstruiert. Die anschließenden Südräume konnten, nachdem in der Ruine noch sämtliche Stuckmotive vermessen und abgeformt worden waren, in der Folge bis 1989 wiederhergestellt werden. So ist, bis auf die verlorenen Deckenbilder und älteren Farbfassungen, das Raumgefüge halbseitig im Südflügel wieder erlebbar. Das Museum im Alten Schloss ermöglicht auch den Gang durch die meist noch original gewölbten Untergeschossräume. Offen gelegte Mauerteile und eine Dokumentation erläutern dem Besucher, dass die tiefer liegendenden Kellerräume im Wesentlichen Reste des älteren "Wilhelmsbaus" sind, die höher ansetzenden äußeren Räume aber auf die Erneuerung Maximilians zurückgehen.

Zum Gesamtkomplex des Alten Schlosses gehören die westlich anschließenden Gebäudetrakte. In strengen Rechteckformen umgreifen sie große Höfe. Dem eigentlichen Schloss vorgelagert ist der heutige "Maximilianshof" mit zweigeschossigen Wohntrakten. Durch den Tor- und Uhrenturm gelangt man in den großen "Wilhelmshof", dessen Wirtschaftsgebäude auf die Zeit um 1600 zurückgehen, aber großteils bereits im 18. Jahrhundert erneuert wurden.


 

Überblick über den westlichen Teil der Schlossanlage Schleißheim:

 

Bild: Plan der Schlossanlage Schleißheim, Ausschnitt

 

1  Brunnhaus mit Pumpen
2  Wilhelmshof
3  Maximilianshof
4  Altes Schloss Schleißheim
5  Parterre
6  Neues Schloss Schleißheim

 

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