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Neues Schloss Schleißheim

Baugeschichte

Bild: Neues Schloss Schleißheim, Gartenfassade mit Blumenparterre

 

 

Das Neue Schloss entstand im Auftrag Kurfürst Max Emanuels, geplant als Residenz im Hinblick auf die erhoffte Kaiserwürde. Im Winter 1700/01 wurde unter der Leitung des renommierten Hofarchitekten Henrico Zuccalli mit der Realisierung des ursprünglich als Vierflügelanlage geplanten Schlosses begonnen.

 

 

Bild: Kurfürst Max Emanuel zu Pferd

Kurfürst Max Emanuel zu Pferd,
Gemälde von Martin Maingaud

Der unglücklich verlaufene Spanische Erbfolgekrieg, der Max Emanuel 1704 ins Exil zwang, brachte die Bauarbeiten jedoch zum Stillstand; damals stand kaum mehr als der Rohbau des Hauptflügels. Erst nach der Rückkehr des Kurfürsten aus dem Pariser Exil im Jahr 1715 konnten die Arbeiten wieder aufgenommen werden.

Angesichts der Finanzlage des Landes wurde jedoch die ursprüngliche Idee, eine Ehrenhof-Anlage mit gewaltigen Seitentrakten, weiteren Pavillons und dem Alten Schloss auf der Westseite zu schaffen, schrittweise reduziert. Von der großen Konzeption blieb schließlich der monumentale Haupttrakt – das Neue Schloss – unter Verzicht auf die verbindenden Flügel zum Alten Schloss.

 

 

Bild: Joseph Effner, Gemälde von Jacopo Amigoni, um 1720/21

Bildnis von Joseph Effner,
Jacopo Amigoni, um 1720/21

Die Bauleitung übernahm der aus dem nahen Dachau stammende und in Paris ausgebildete Joseph Effner. Auf ihn geht die künstlerisch überaus bedeutende Ausstattung der Säle und Prunkräume zurück. War auch der Traum vom Kaisertum verflogen und das Geld mehr als knapp, so sollte Schleißheim doch der Pracht nicht entbehren.

Zu den Höhepunkten der Innenausstattung zählt die zeremonielle Raumfolge vom barocken Prunktreppenhaus über die großen Säle im Obergeschoss – den Großen Saal und den Viktoriensaal – bis in die Große Galerie. Bedeutende Künstler aus Italien, Frankreich und Bayern – wie die Bildhauer Giuseppe Volpini und Wilhelm de Groff, die Stuckateure Johann Baptist Zimmermann und Charles Dubut oder der Kunstschlosser Antoine Motté – wirkten bei der Innenausstattung zusammen, die thematisch dem Ruhm des siegreichen Feldherrn Max Emanuel gewidmet ist.

 

 

Bild: Schlafzimmer der Kurfürstin

Paradeschlafzimmer im
Appartement der Kurfürstin

Die Möbelkunst dieser Zeit ist durch hervorragende Beispiele vertreten. Hierzu gehören die prachtvoll geschnitzten und vergoldeten Konsoltische aus der Hofwerkstatt des Johann Adam Pichler. Meisterwerke der höfischen Textilkunst sind die prächtigen Imperialbetten mit Baldachinhimmel von Kurfürst und Kurfürstin, die nur in seltenen Fällen wie hier an ihrem ursprünglichen Ort erhalten sind.

Wesentlichen Anteil an der Innengestaltung haben die Deckenmalereien. Zunächst freskierte der bereits berühmte bayerische Maler Cosmas Damian Asam die Kuppelwölbung über dem Treppensaal und das Gewölbe der Maximilianskapelle.
Bald jedoch kam der italienische, zuvor bereits in Ottobeuren tätige Jacopo Amigoni zum Zug. In einer ungeheueren Arbeitsleistung malte er alle Zimmerdecken der beiden Hauptappartements aus und schuf die Deckenfresken der beiden Säle im ersten Obergeschoss, Großer Saal und Viktoriensaal. Das ungeteilte, die gesamte Decke des Großen Saales füllende Fresko war sogar für einige Jahrzehnte das größte Deckenbild der Welt.

 

Bild: Deckenfresko im Viktoriensaal, Ausschnitt

Viktoriensaal, Deckenfresko von Jacopo Amigoni, "Dido empfängt Aeneas"

Beim Tod Max Emanuels Ende Februar 1726 war der Schlosskomplex noch nicht vollendet, der Hauptbau jedoch in weiten Teilen fertiggestellt. Die Ausstattung der Räume war noch an vielen Stellen unvollendet. Der Sohn und Nachfolger Max Emanuels, Karl Albrecht (reg. 1726-45), ließ erst nach und nach die wandfeste Ausstattung durch noch fehlende Marmorkamine, Wandbespannungen, Täfelungen und Bodenbeläge ergänzen.

Max III. Joseph (reg. 1745-77), Enkel Max Emanuels und letzter Kurfürst der altbayerischen Linie des Hauses Wittelsbach ließ den Gardesaal zum Speisesaal ausbauen und gab bei dem bayerischen Bildhauer Ignaz Günther zwei reich geschnitzte Schlossportale in Auftrag.

 

 

Bild: Neues Schloss Schleißheim, Westfassade

Neues Schloss Schleißheim, Westfassade

 

 

Bereits seit Ende des 18. Jahrhunderts war das Neue Schloss Schleißheim dank seiner durch Kurfürst Max Emanuel begründeten Gemäldesammlung ein großes, zunehmend öffentlich zugängliches Galerieschloss. An diese Tradition knüpft die Staatsgalerie Europäischer Barockmalerei der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen an, die heute in den fürstlichen Appartements und Sälen des Schlosses gezeigt wird. Sie umfasst Werke aller großen Schulen dieser Kunstepoche. 300 Jahre nach der Grundsteinlegung des Neuen Schlosses wurde die einzigartige Barockgalerie nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten im Jahr 2001 in neuer Konzeption wiedereröffnet.

 

 

Bild: Große Galerie

Neues Schloss Schleißheim, Große Galerie

 

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